Textauswahl für Gedichte & Sprichwörter


Texte für große Poesiesteine (Kategorie III):

 1. Die Frösche

     Ein großer Teich war zugefroren;
     Die Fröschlein, in der Tiefe verloren,
     Durften nicht ferner quaken noch springen,
     Versprachen sich aber im halben Traum:
     Fänden sie nur da oben Raum,
     Wie Nachtigallen wollten sie singen.
     Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
     Nun ruderten sie und landeten stolz
     Und saßen am Ufer weit und breit
     Und quakten wie vor alter Zeit.


 2. Heilpflanze Frauenmantel

     Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt
     Wie keines ringsherum es hat.
     Mit zierlich eingekerbtem Rand
     Ist für den Tau es angespannt,
     Recht als ein Schälchen hingestellt,
     In welches Perl´ auf Perle fällt.
     So hebt es auf des Himmels Tau,
     der niedersinkt auf Flur und Au´,
     Manch Elflein gegen Morgen kommt,
     das dürstet, dem zu trinken frommt,
     Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht:
     Ein bessres Labsal gibt es nicht.


 3. Silberdunst hüllt unsern Garten ein,
     Blau liegt die Luft im Abendschein,
     Über den Giebeln zerfließt der Rauch,
     Durchs offene Fenster weht ein Hauch
     Vom zärtlichen Frühlingswinde
     Düfte der Hyazinthe,
     Zu uns herein.
     Oh Beieinandersein,
     Vor dem die Stunden,
     Wie Kränze zu Kränzen gewunden,
     Sich aneinander reihn!


 4. Mondnacht

     Es war, als hätt´ der Himmel
     Die Erde still geküßt.
     Daß sie im Blütenschimmer
     Von ihm nun träumen müßt.

     Die Luft ging durch die Felder,
     Die Ähren wogten sacht,
     Es rauschten leis´ die Wälder,
     So sternenklar war die Nacht.

     Und meine Seele spannte
     Weit ihre Flügel aus,
     Flog durch die stillen Lande,
     Als flöge sie nach Haus´.


 5. Elfenlied

     Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
     Dann scheinet uns der Mond,
     Dann leuchtet uns der Stern;
     Wir wandern und singen
     Und tanzen erst gern.

     Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
     Auf Wiesen, an den Erlen
     Wir suchen unsern Raum
     Und wandeln und singen
     Und tanzen einen Traum.


 6. Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?
     Er ist wie du so lieblich nicht und lind;
     Nach kurzer Dauer muß sein Glanz verbleiben,
     Und selbst in Marienknospen tobt der Wind,
     Oft blickt zu heiß des Himmels Auge nieder,
     Oft ist verdunkelt seine goldne Bahn,
     Denn alle Schönheit blüht und schwindet wieder,
     Ist wechselndem Geschicke untertan.
     Dein ew´ger Sommer doch soll nie verrinnen,
     Nie fliehn die Schönheit, die dir eigen ist,
     Nie kann der Tod Macht über dich gewinnen,
     Wenn du in meinem Lied unsterblich bist!
     Solange Menschen atmen, Augen sehen,
     Lebt mein Gesang und schützt dich vor Vergehn!


 7. Auf Erden gehst Du und bist der Erden Geist;
     Die Erd erkennt dich nicht, die dich mit Blüten preist.
     Auf Sonnen stehest du und bist der Sonne Geist;
     Die Sonn erkennt dich nicht, die dich mit Strahlen preist.
     Im Winde wehest du und bist der Lüfte Geist;
     Die Luft erkennt dich nicht, die dich mit Atmen preist.
     Auf Wassern gehest du und bist des Wassers Geist;
     Das Wasser kennt dich nicht, das dich mit Rauschen preist.
     Im Herzen stehest du und bist der Liebe Geist;
     Und dich erkennt das Herz, das dich mit Liebe preist.


 8. Ein kleines stilles Lächeln
     erhellt den tristen Tag,
     bringt Dir ein wenig Freude
     so gut es das vermag.

     Verzaubert sanft die Herzen
     dringt in die Seele ein,
     erstrahlt oft viel heller
     als jeder Edelstein.

     Ein kleines stilles Lächeln
     am grauen Regentag,
     vertreibt so manche Wolken
     und sagt, daß ich dich mag.


 9. Ich schenk Dir ein Lächeln,
     so gut ich es kann,
     ich wart nicht erst lange,
     fang´ gleich damit an:

     Ein Lächeln, das Dir Deine Sorgen vertreibt,
     das ankommt, und Dir in Erinnerung bleibt,
     ein Lächeln der Hoffnung, wenn mutlos Du bist,
     das Dich, bist Du traurig, wie ein Sonnenschein küsst.
     Nimm´s hoffnungsfroh auf, gib´ es freudig zurück,
     es kostet Dich nichts und schenkt Freude und Glück!


10. Ein Schnee Flock kam zur Winterzeit
      in einige Verlegenheit.
      
      Die Flocke, die er reizend fand,
      in ihrem weißen Eisgewand
      beachtete den Schnee Flock kaum
      und schwebte heiter wie im Traum,
      beim Flockentanz der Winterherde,
      zum großen Reiseziel: der Erde.

      Konnte es der Schnee Flock nicht mehr lassen
      nach ihrer Flockenhand zu fassen,
      er fasste weiter bis zum Arm,
      da wurde ihm ganz plötzlich warm.

      Im Arme seiner Flockenbraut,
      doch leider war er aufgetaut.